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Feuchtwangers Lebensgeschichte bietet Stoff für mehr als nur einen Politthriller: Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs entgeht er in Tunis nur knapp der Internierung. Nach Hitlers Machtübernahme kann er von einer Vortragsreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Man verbrennt seine Bücher, zerstört seine Existenz. Der unverbesserliche Optimist kommentiert: »Sie können mir die Staatsbürgerschaft nehmen und den Doktortitel, mein Haus und mein Vermögen, nicht aber meinen bayerischen Dialekt.« Neuanfang in Frankreich, für ein paar Jahre, dann eine abenteuerliche Flucht vor den Nazis, in Frauenkleidern über die Pyrenäen und mit Hilfe Eleonora Roosevelts von Lissabon aus ins amerikanische Exil. Dort beginnt er im Alter von 56 Jahren noch einmal von vorne, hat Glück im Unglück und Erfolg, auch kommerziellen.
Feuchtwanger war ein großer Büchernarr
Und so schenkt er Marta, die eine leidenschaftliche Autofahrerin war, erst ein Fiat-Sportcoupé, dann einen amerikanischen Buick. Immer wieder unterstützt er Freunde und Kollegen, die im Exil weniger Glück hatten als er. Vor allem aber kauft er Literatur: Feuchtwanger war ein großer Büchernarr. Seine beachtliche Sammlung an Romanen, Geschichtsbüchern und Nachschlagewerken umfasste vierzigtausend Bände. Es war auch eine kostbare Bibliothek. Zu ihren Schätzen gehörten wertvolle Inkunablen, die Nürnberger Weltchronik von 1454, ein Buch mit handschriftlichen Notizen Michelangelos etc. Zweimal verlor er seine Sammlungen, erst in Berlin, dann – er hatte sie gerade neu zusammengestellt – in Südfrankreich. In Amerika baut er die verlorene Bibliothek ein drittes Mal wieder auf.
Sein Interesse galt dem Menschen,
seinen Leidenschaften und Abgründen
In seiner Bibliothek recherchiert der Germanist und Historiker die Stoffe für seine historischen Romane. An Ideen mangelt es ihm nicht, 140 habe er noch im Kopf, schrieb er zwei Jahre vor seinem Tod 1956 an den Freund Arnold Zweig. Den Romancier interessierte vor allem eins: der Mensch, mit seinen Leidenschaften und Abgründen. In seinen historischen Romanen schreibt er über die Außenseiter der Geschichte, Figuren mit Schwächen und Brüchen. Seine unvergesslichen Charaktere, Goya, Jud Süß, Der falsche Nero oder Raquel, die schöne Jüdin von Toledo, begeistern bis heute weltweit. So lässt er den Leser sprachgewaltig in andere Epochen eintauchen, die gleichzeitig Parabeln auf die Gegenwart sind.
Der Chronist seiner Zeit
In der Wartesaal-Trilogie zeigt sich der Exilschriftsteller als scharfsichtiger Chronist seiner Zeit. Die drei Romane, erschienen zwischen 1930 und 1940, sind Zeugnisse der unheilvollen Epoche in Deutschland: Im München der zwanziger Jahre kämpft eine Frau um ihren Geliebten, einen politisch verfolgten Museumsdirektor (Erfolg). In Berlin versinken die drei Brüder Oppermann in den frühen dreißiger Jahren in bürgerlicher Selbstgefälligkeit und ignorieren das Erstarken der Nazis, bis sie in Lebensgefahr geraten. Im Pariser Exil versucht ein Komponist verzweifelt, ein »normales« Leben zu führen: Der grausamen Diktatur entronnen, schwankt der Heimatlose im tristen Alltag zwischen Mutlosigkeit und Hoffnung. Die drei Schlüsselromane sind Geschichten von Karrierismus, Justizskandalen und Zivilcourage, aber auch von Liebe, Verrat und Eifersucht. Bis heute haben sie nichts an Leidenschaft, Spannung und Brisanz eingebüßt.
»Feuchtwangers Romane sind alle eine Empfehlung wert!« Münchner Merkur
Foto: Feuchtwanger Memorial Library, Special Collections, University of Southern California |
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